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Noch ein Geschäftsmodell, das wohl nicht funktioniert


Von Joel Spolsky
Aus dem Englischen von Hartmut Ludwig
Redigiert von Patrick Reinelt
25. Oktober 2000

Früher stellte mir Atomz.com die Suchfunktion für meine Seite zur Verfügung. Das bedeutet, dass jede Suchanfrage, die man in das kleine Suchfeld am Rand eingegeben hat, eigentlich direkt an Atomz.com weitergleitet wurde. Die waren dafür zuständig, meine Seite einmal wöchentlich zu indizieren und die Ergebnisse anzuzeigen.

Atomz.com ist "kostenlos" mit einem Haken: sobald mehr als 500 Dokumente zu deiner Seite gehören, senden sie dir eine nette kleine Mail:

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Seite das 500-Dokumente-Limit für den kostenlosen Account, den Sie derzeit haben, überschreitet. Wußten sie, dass zur Zeit ihre Seite nicht zu 100% indiziert wird? Nur die ERSTEN 500 DOKUMENTE werden in den Index aufgenommen. Ist es für sie und die Dienste, die sie anderen bieten ein wesentliche Einschränkung? Falls ja, könnte ein Upgrade auf einen atomz.com Premium Service diese Probleme lösen.

Nirgendwo in der Mail wird einem gesagt, wie viel dieses Upgrade kosten würde. Nachdem ich ein wenig auf deren Webseite herumgesucht hatte, bekam ich die Antwort: 100$ pro Quartal. Wow. Das ist teuer.

Die Suchfunktion auf meiner Seiteist nicht sonderlich beliebt; ich habe etwa 60 Suchanfragen pro Woche (bei circa 35.000 Seitenaufrufen). Aber ich denke dennoch, dass es eine wichtige Funktion ist. Und ich hasse es mit Tricks zum Upgrade von einem "kostenlosen Service" auf einen "Premium Service" gedrängt zu werden.

Atomz.com hofft das erreichen zu können, was ich "Versteckte Kundenbindung" nenne. Sie möchten gar nicht, dass man bemerkt, dass man sich von ihrem Service abhängig macht. Später dann, wenn man am Haken hängt, können sie anfangen, eine Menge dafür zu verlangen und man wird zahlen, nur um die Kosten des Wechsels zu vermeiden. Es gibt eine ganze Reihe von Internetfirmen, die diesen Ansatz verfolgen. Juno bombardiert ihre nicht zahlenden Mitglieder permanent mit Mails, um sie zu einem Upgrade in einen kostenpflichtigen Service zu drängen. Und all diese verschiedenen xdrive/idrive/freedrive/mydrive Klone haben das gleiche Geschäftsmodell. Die Firma meines Kumpels Elan earthnoise, die 50 MB online Speicherplatz für Videos kostenlos anbietet, versucht einen zum Upgrade auf dem Premium-Service für 4,99$ monatlich zu bewegen, sobald man realisiert hast, dass 50 MB für online Video nicht gerade viel sind.

Die Frage hierbei ist: wieviel Kundenbindung erreichen diese Firmen wirklich? Das ist der Faktor, der darüber entscheidet, ob dieser Plan funktioniert oder nicht. Juno hat eine Menge, denn es ist ein e-Mail-Service und wenn man den e-Mail-Anbieter wechsel, muss man all seinen Freunden die neue Mailadresse mitteilen. Wenn man eine Juno-Mailadresse auf der Visitenkarte hat und sie einem potenziellen Neukunden gegeben hat, muss man sogar befürchten, dass der einem durch die Lappen geht. Und in der Tat war Juno durchaus erfolgreich damit, die Leute zum Upgrade zu bewegen.

All die kostenlose-Festplatte-im-Netz-Firmen haben aber gar keine Kundenbindung und werden daher ein Problem bekommen. Abgesehen von der Tatsache, dass es kaum Hindernisse gibt, einen solchen Service bereitzustellen, daher aber einen unglaublichen Wettbewerb und dass der ganze Service von vornherein eine dumme Idee ist, werden diese Firmen auf Dauer einfach keinen Erfolg haben. Punkt.

Nun aber zurück zu Atomz.com, meinem alten Suchdienst. Kundenbindung? Nun... leider nicht. Es hat mich 20 Minuten gekostet, auf Google umzustellen. Und Tschüss.



Titel der Originalausgabe: Another Business Model That Doesn't Seem to Work  

Joel Spolsky ist der Gründer von Fog Creek Software, einer kleinen Software Firma in New York City. Nachdem er auf der Yale University graduierte arbeitete er als Programmierer und Manager bei Microsoft, Viacom und Juno.


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